Luc Ciompi - Psychiater und Autor

Soteria Bern

Der Name "Soteria" ist griechischen Ursprungs und bedeutet hier etwa soviel wie Schutz,Geborgenheit und Entspannung. Er wurde 1971 von Loren Mosher und seinen MitarbeiterInnen in San Francisco/USA einem alternativen Pilotprojekt zur medikamentenlosen oder -armen Behandlung von Menschen mit akut schizophrenen Psychosen gegeben.

1984 gründeten Ciompi und seine Mitarbeiter in Bern eine erste europäische Soteria-Wohngemeinschaft, die seit über 20 Jahren erfolgreich funktioniert. Später wurde die Soteria-Idee auch in Deutschland, Skandinavien und anderswo aufgegriffen und in verschiedenen Varianten praktisch verwirklicht.

In Bern wurde das ursprüngliche Moshersche Konzept auf der Basis des Psychosenverständnisses der Affektlogik und anderer neuerer Erkenntnisse weiter entwickelt und teilweise modifiziert. Aufgrund der Einsicht, dass kritische emotionale Spannungen bei der Entstehung und weiteren Entwicklung der Psychose eine entscheidende Rolle spielen, wurde die Induktion einer nachhaltigen emotionalen Entspannung zu einem Hauptziel der Behandlung. Diese wird nicht in erster Linie mit Medikamenten, sondern durch ein stetes verständisvolles Dabeisein und mitmenschliches Begleiten von psychotisch verängstigten Menschen in einem möglichst normalen, offenen, familienartigen, bergenden, entspannenden Milieu erreicht.

Soteria Bern bietet Platz für 9 Patienten und beruht auf den folgenden 8 therapeutischen Grundsätzen:

  1. Kleines, entspannendes, reizgeschütztes und möglichst normales familienähnliches Behandlungsmilieu
  2. Kontinuierliche mitmenschliche Begleitung des psychotischen Patienten
  3. Persönliche und konzeptuelle Kontinuität über die ganze Zeit der Behandlung
  4. Kontinuierliche enge Zusammenarbeit mit der Familie und anderen wichtigen Bezugspersonen
  5. Klare und gleichsinnige Informationen für Patienten, Familie und Betreuer betr. die Krankheit, ihre Behandlung und die bestehenden Risiken und Chancen
  6. Gemeinsame Erarbeitung von klaren und realistischen Behandlungszielen und Zukunftserwartungen auf der Wohn- und Arbeitsachse
  7. Niedrigdosierte medikamentöse Behandlungsstrategien nach Übereinkunft, mit dem Ziel der kontrollierten Selbstmedikation
  8. Organisation von Nachbetreung und Rückfallprophylaxe über mindestens zwei Jahre

In den letzten Jahren wurden in Soteria Bern ausserdem spezielle Konzepte zur Behandlung von cannabisabhängigen Psychosekranken entwickelt. Auch wurde eine geschützte Wohnung für frühere Soteriapatienten angegliedert.

Vergleichende Untersuchungen haben ergeben, dass mit dem Soteria-Konzept mit viel weniger Medikamenten objektiv gleich gute und subjektiv z.T. bessere Behandlungserfolge erzielt werden können wie mit herkömmlichen Psychosenbehandlungen. Zudem war die Psychosenbehandlung in der Soteria Bern in den letzten Jahren konstant um 10-20% billiger als in vergleichbaren traditionellen psychiatrischen Institutionen. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass sämtliche Hausarbeiten wie Kochen, Einkaufen, Putzen, Gartenarbeiten etc. in der Soteria milieutherapeutisch eingesetzt, d.h. ohne zusätzliches Personal von den Patienten und Betreuern selber geleistet werden.

Näheres siehe auch Webseite Soteria Bern (soteria.ch)

Foto: Soteria Bern - das Haus

Foto: Soteria Bern - L. Mosher, L. Ciompi, H. Hoffmann, S. Leisinger
Soteria Bern
Loren Mosher (Begründer Soteria San Francisco, †2004), Prof. Luc Ciompi (Begründer Soteria Bern), PD Dr. med. Holger Hoffmann (Chefarzt Soteria Bern), Sabine Leisinger (Leiterin Soteria Bern)

Ausgewählte Publikationen

Bücher

Wie wirkt Soteria (Buch-Titelseite) Luc Ciompi, Holger Hoffmann, Michel Broccard (Herausgeber)
Wie wirkt Soteria?
Eine atypische Schizophreniebehandlung - kritisch durchleuchtet.

Huber, Bern-Stuttgart 2001
ISBN-10: 3-456-83570-1
ISBN-13: 978-3456835709

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Umschlagtext:
Soteria steht für eine innovative Schizophreniebehandlung, die sich auf intensive mitmenschliche Begleitung in einem entspannenden und heilenden Milieu stützt. Theorie und Praxis, jahrzentelange klinische Erfahrungen und wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu diesem ebenso faszinierenden wie umstrittenen Ansatz werden hier ausführlich dargestellt und - von direkt Beteiligten und aussenstehenden Experten - kritisch durchleuchtet.

"Soteria gilt in weiten Kreisen der Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit als ein Symbol für eine 'menschlichere', zugewandte und therapeutisch engagierte Psychiatrie. Ihr Ansatz hat heftige Kritik und begeisterte Zustimmung erfahren. Die ihm innewohnende Faszination ist es, die viele Menschen zur Arbeit in der Psychiatrie motiviert und die - neben allem erforderlichen Sachwissen – für viele in der Psychiatrie Tätigen das Wesen ihrer Arbeit ausmacht. Die blosse Existenz von Soteria hat über viele Jahre die Diskussionen um die beste Form der Psychosebehandlung in kontroverser, aber insgesamt fruchtbarer Weise in Gang gehalten. Zuweilen hat Soteria auch als nützlicher Gegenpol zur Dominanz der von der Pharmaindustrie vertretenen Interessen gedient."
(Stefan Priebe, Prof. of Social and Community Psychiatry, London)

Soteria im Gespräch (Buch-Titelbild) Elisabeth Aebi, Luc Ciompi, Hartwig Hansen
Soteria im Gespräch.
Über eine alternative Schizophreniebehandlung

Psychiatrie-Verlag, Bonn 1993
ISBN-10: 3-88414-142-2
ISBN-13: 978-3884141427
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Umschlagtext:
Soteria (griechisch) heisst so viel wie Geborgenheit, Sicherheit, Befreiung. Das Team um den Berner Professor Luc Ciompi wählte diesen Namen für sein wegweisendes Projekt einer alternativen Schizophreniebehandlung.

Es ist der pragmatische Versuch, junge Menschen in akuten psychotischen Entwicklungskrisen zu begleiten und in der Neuorientierung nach Kräften zu unterstützen - im Rahmen einer Wohngemeinschaft, mit möglichst wenig Medikamenten und in ständigem Kontakt mit Angehörigen und Freunden.

Heute ist "Soteria im Gespräch": in diesem ungewöhnlichen Buch über das ungewöhnliche Projekt kommen erstmalig alle Beteiligten zu Wort - Betroffene, Angehörige und Professionelle. Alle bewegt die Frage: Was brauchen Menschen in akuten Psychosen?

  • Kroll, B.: Mit Soteria auf Reformkurs. Ein Alternativprojekt bewegt die Akutpsychiatrie. Jakob van Hoddis, Gütersloh 1998
  • Mosher, L.R. , Hendrix, V.: Soteria.- through madness to deliverance. Xlibris corporation 2004, ISBN 1-4134-6523-4

Buchbeiträge

  • Hess, D.: Über eine Wohngruppe für akut Schizophrene ("Soteria Bern") und das Konzept der "besonderen Verletzbarkeit". In: Dörner, K, (Hrsg.). 38. Gütersloher Fortbildungstagung. Verlag Jakob van Hoddis 1987
  • Ciompi, L., Beine, K.: "Soteria Bern" und "Schneiderhaus Gütersloh", zwei sozialpsychiatrische Alternativen. In: Ciompi, L., Dauwalder, H.P. (Hrsg.), Zeit und Psychiatrie. Sozialpsychiatrische Aspekte. Huber, Bern - Stuttgart - Toronto, 1990. S. 111-124
  • Dauwalder, H.-P.: Soteria Berne, treatment and prevention of schizophrenia without neuroleptic drugs. In: Zapotocky, H.G. & Wenzel, T. (eds): The scientific dialogue: from basic research to clinical intervention. Swets & Zeitlinger, Amsterdam 1990, pp. 267-276
  • Ciompi, L., Dauwalder, H.P., Aebi, E., Trütsch, K., Kupper, Z.: A new approach of acute schizophrenia. Further results of the pilot-project "Soteria Berne". In: Werbart, A. & Cullberg, J. Psychotherapy of Schizophrenia. Facilitating and obstructive factors. Scandinavian University Press, Oslo, pp. 95-109, 1992
  • Ciompi, L.: "Low Medication"-Strategie in der Schizophreniebehandlung im Rahmen des Soteria-Modells. In: Marneros, A., Brieger, P. (Hrsg.) Psychiatrie als Therapiefach. Roderer, Regensburg 1997, pp.27-36
  • Kroll, B., Machleidt, W., Debus, S., Stigler, M.: Auswirkungen der Soteria-Idee in Deutschland und Österreich. In Ciompi, L., Hoffmann, H., Broccard, M. (Hrsg): Wie wirkt Soteria? Eine atypische Schizophreniebehandlung – kritisch durchleuchtet. Huber Bern-Stuttgart 2001, p.181-205
  • Mosher, L.:Soteria California und ihre amerikanischen Nachfolgeprojekte – Die therapeutischen Elemente. In Ciompi, L., Hoffmann, H., Broccard, M. (Hrsg): Wie wirkt Soteria? Eine atypische Schizophreniebehandlung – kritisch durchleuchtet. Huber Bern-Stuttgart 2001, pp. 13-41
  • Wollschläger, M.: Soteria im Überblick. In: Wollschläger, M. (Hrsg.): Sozialpsychiatrie. Entwicklungen, Kontroversen, Perspektiven. 1, p. 490-503, dgvt-Verlag, Tübingen 2001
  • Ciompi L: The Soteria concept. Theoretical bases and practical 13-years experience with a milieu-therapeutic approach to schizophrenia. In Raschid S: R:D: Laing. Contemporary perspectives. Free Association Press, London 2005, p.273-295

Zeitschriftenartikel

 

© Luc Ciompi - www.ciompi.com - Zuletzt bearbeitet: 29.09.2009